
Ein Gespräch über Märkte und Strategien, Produkte und Technologien im Flurförderzeugmarkt
Stefan Budweit, bis Ende 2024 COO bei Clark Europe GmbH, hat zu Beginn dieses Jahres die Position des langjährigen CEO Rolf Eiten übernommen. Jan Kaulfuhs-Berger, Chefredakteur „Technische Logistik“, hat ihn auf der Logimat in Stuttgart getroffen.
Jan Kaulfuhs-Berger: Stefan Budweit, Sie sind, unserer Meinung nach, in sehr große Fußstapfen getreten – die von Rolf Eiten, der Clark jahrelang geführt hat, erfolgreich geführt hat.
Stefan Budweit: Nun, wenn ein Kapitän ein erfolgreich gesteuertes Schiff verlässt, sind die Fußstapfen immer groß. Aber ganz unerfahren bin ich mit meinen über 30 Jahren Erfahrung im Gabelstaplergeschäft auch nicht.
Das „Kapitän“ kam jetzt eben sehr hamburgisch rüber.
Meine Karriere habe ich bei Jungheinrich in der Zentrale angefangen, war dann im Ersatzteilvertrieb und habe Südamerika betreut. Im Staplergeschäft war ich verantwortlich für Middle East und Asien und habe damals die Niederlassung in Singapur mitaufgebaut. Später bin ich zu Toyota nach Brüssel gewechselt …
… und irgendwann kam der Ruf zu Clark, nehmen wir an.
Ich hatte viele Berührungspunkte mit Egon Strehl …
… dem 2014 viel zu früh verstorbenen Clark-Chef …
… und man hat mich dann gefragt, ob ich nicht lieber in die Clark-Familie kommen möchte, um hier gemeinsam etwas aufzubauen. Nun, dem Ruf bin ich irgendwann gefolgt, habe das Business Development übernommen und bin in die Position Sales- und Marketingdirektor gewechselt. Später kam die Position als COO und jetzt die direkte Nachfolge als Präsident und CEO für Rolf Eiten. Damit bin ich zuständig für die EMEA-Region und für globale Aufgaben.
Dann sind wir ja mittendrin im Weltmarkt, wo ja jede Menge los ist. Frage: Kann man die aktuelle Situation eigentlich überblicken und beziffern?
Nein, kann man nicht. Wir haben in vielen Märkten Marktrückgänge, wir haben aber auch Marktsteigerungen. Das hält sich in etwa die Waage. Man kann beispielsweise nicht sagen, in Westeuropa geht es uns nur schlecht. Das betrifft sicher einige Bereiche und einige Länder, aber eben nicht alle. Und in Osteuropa, beispielsweise, boomt es. Wir haben Wachstumsmärkte wie Bulgarien und Rumänien, auch die Türkei ist immer noch sehr stark. Und natürlich wachsen auch in Afrika die Märkte.
In Afrika?
Ja, schauen Sie nach Südafrika oder in die französisch sprechenden Länder wie Marokko, Tunesien, Algerien, also die Magreb-Staaten – die laufen sehr gut. Südlich der Sahara, natürlich, ist es schwierig, Händler und auch Kapital zu finden.
Dann bewegen wir uns es mehr nach Osten und fragen: Wie sind Sie in Asien aufgestellt?
Wir haben einmal den Markt in Korea, wo wir etwa 30 Prozent Marktanteil haben. Es gibt noch zwei koreanische Anbieter, Doosan und Hyundai, die teilen sich etwa 60 Prozent. Was übrig bleibt geht an die „Hereinströmenden“, also Unternehmen aus China und aber auch zum Beispiel Toyota.
Dennoch gilt: Koreaner kaufen immer noch koreanisch, oder?
Richtig. Wenn wir auf die anderen Regionen schauen, ist zu sagen, dass wir die Länder im Bereich Südostasien über unsere Niederlassung in Singapur abdecken. In China sind wir interessanterweise nicht ganz so stark, dafür haben wir aber noch eine Clark-Tochter in Australien, die diesen Markt abdeckt.
Produziert wird dann in Korea und – mittlerweile – in Vietnam.
Ja, und in China. Aber der Trend geht ganz klar dahin, dass wir unsere Produktionskapazitäten in Vietnam aufbauen. Den Bereich, wo wir früher den GTS als Verbrenner aus China für die Kunden in Nordamerika geliefert haben, haben wir wegen der Strafzölle der US-Regierung nach Vietnam verlagert.
Klingt nach einem großen Engagement in Asien. Ich habe Sie aber auf der Logimat in Bangkok und in Mumbai vermisst.
Ja, das ist die Frage: Was ist heute noch eine Messe? Wie wird das gesehen? Gerade im asiatischen Bereich läuft das Geschäft hauptsächlich online. Auch das Einkaufsverhalten ist online. Das ist ganz anders als bei uns heute, wo wir sagen, wir wollen dieses „touch and feel“, wir wollen auf eine Messe gehen, wir schauen uns andere Hersteller an.
Themenwechsel: Jungheinrich macht Verbrenner schon lange nicht mehr. Was ist die Rolle des Verbrenners bei Clark?
Wenn wir uns heute die Verbrenner-Technologie anschauen und überlegen, welche Vorgaben wir auf den verschiedenen Märkten haben, dann muss man für den europäischen Markt ganz klar konstatieren: – Es geht weg vom Verbrenner. Wir kennen die Vorgaben von der Europäischen Union, um klimaneutral zu werden. Und das merken wir sehr stark im Markt.
Wie reagiert Clark?
Wir haben die Thematik erkannt und kommen jetzt mit unseren zwei neuen Crossover-Baureihen L25-35 XE und S25-35XE.
Das heißt?
Ganz einfach: Wir nehmen den typischen Verbrenner, der draußen, auf schlechten Böden, im Regen arbeitet und genau dafür gebaut sein muss, mit höherer Bodenfreiheit. Dann nehmen wird dieses Chassis und bauen ein elektrisches System ein, um den Carbon Footprint für den Kunden zu reduzieren.
Und, Funktioniert?
Ja, wir haben das Verbrenner-Chassis genommen, eine Elektroachse eingebaut, Elektromotoren und eine Lithium-Batterie, die uns im Gegenzug zur Blei-Säure-Batterie auch noch 300 Kilogramm einsparen lässt.
Der Verbrenner wird also verschwinden?
Ich glaube, der wird nicht ganz verschwinden. Vielleicht in Europa. Wir sehen hier von den Marktzahlen, dass die verbrennungsmotorischen Stapler sehr rückläufig sind.
Aber wenn wir uns den Markt anschauen, gehen auch die Elektro-Stapler zurück.
Richtig. Das liegt natürlich an der Konjunktur. Aber der Kunden sagt auch, wenn wir ein Gerät brauchen, dann muss es ein Elektro sein, der aber die Vorteile eines Verbrenners bringt, der sowohl draußen als auch in nasser Umgebung arbeiten kann und Bodenfreiheit hat. Da geht der Markt hin.
Thema Lagertechnik. Geht es in Richtung Lithium-Ionen-Technologie auch bei Clark?
Wenn wir uns den Markt in West- und Ost-Europa angucken, sind heute etwa 65 Prozent Lagertechnikfahrzeuge. Schauen wir unser Produktportfolio bei Clark in der Lagertechnik an, dann sind etwa 70 Prozent unserer verkauften Lagertechnik-Geräte Fahrzeuge mit Lithium-Batterien. Die Blei-Säure-Batterie wird aber nicht verschwinden. Es wird immer Kunden geben, die kein Lithium einsetzen wollen – beispielsweise aus Sicherheitsgründen.
Wir sind ein wenig von den Crossover-Geräte abgekommen, wie geht es da weiter?
Wir werden weitere Crossover-Modelle in diesem und im nächsten Jahr vorstellen. Wir gehen dann auf 4,5 bis 8 Tonnen Tragkraft, wo wir auch wieder verbrennungsmotorische Chassis nutzen, die elektrisch mit Lithium-Batterien angetrieben werden.
Blicken wir einmal auf die Logimat. Die Wichtigkeit dieser Messe ist ja nicht wegzudenken.
Sie ist in der Tat nicht wegzudenken, nein. Sie wird sehr gut frequentiert. Wir sehen für uns die Chance, dort neue größere Händlerkandidaten zu finden. Im letzten Jahr haben wir beispielsweise einen großen Händler aus Rumänien gewinnen können. Hier ist das Thema „touch and feel“ viel präsenter als in Asien, was wir vorhin besprochen haben.
Kommen wir einmal zum Anfang unseres Gespräches zurück. Was ändert sich in der Geschäftsleitung, was bleibt?
Ja, das ist immer eine große Frage. Was wir bei Clark machen müssen ist, wir müssen uns verjüngen. Das ist in den letzten drei bis vier Jahren unser Ziel. Wir sind ja Altgediente; ich bin mit 57 Jahren auch nicht mehr der Jüngste.
Also ein sanfter Generationenwechsel?
Nun, wir müssen die nächste Generation heranziehen. Das machen wir auch global. Wir sind ja ein Familienunternehmen, wo jetzt die zweite Generation am Ruder ist. Und die dritte steht bereit. Die Enkelsöhne, die meist in den USA studiert haben, treten jetzt auch in die Fußstapfen ihrer Eltern, reisen durch die Gefilde, kriegen Training bei uns und lernen das Business. Wenn wir auf die Zukunft von Clark schauen, ist das genau das, wo wir hinwollen.
Gut, und Sie persönlich betreffend?
Was meine Ziele angeht, wir haben ein Direktgeschäft in Duisburg und Umgebung. Das möchte ich gern als richtige Niederlassung erweitern.
Clark in fünf Jahren – wie sehen Sie das?
Ich denke, wir sind auf Wachstum ausgerichtet, und wir setzen auf Wachstum. Wir werden uns in der Weltrangliste hocharbeiten.
Stefan Budweit, herzlichen Dank für das Gespräch!
Juli 2025 / jak